Berliner Eingewöhnungsmodell


Das Modell gliedert sich in drei Phasen:

  1. Die Grundphase
  2. Die Stabilisierungsphase
  3. Die Schlussphase

 

1.Die Grundphase

Die Grundphase dauert drei Tage. In dieser Zeit bleiben die Kinder mit dem begleitenden Elternteil ein oder zwei Stunden täglich im Gruppenraum. Die Anwesenheitszeiten werden in Orientierung am Tagesablauf der Kindergruppe mit der Erzieherin vereinbart.

Der erste Tag:

Vom ersten Tag an sollte die Erzieherin jedes Mal Eltern und Kind ausdrücklich begrüßen und freundlich willkommen heißen. Begründung: Neben den Geboten professioneller Höflichkeit verlangt auch die Pädagogik der Eingewöhnung ein derartiges Verhalten. Dem Kind wird es dadurch erleichtert, eine bestimmte Erwartungshaltung bezüglich der Ankunft in der Krippe zu entwickeln. Die Begrüßung der Eltern erleichtert es jedoch auch Ihnen, die Betreuung Ihres Kindes in der Krippe zu akzeptieren und positiv zu bewerten. Schließlich ist eine freundliche Begrüßung eine Einladung zu freundlichen Reaktionen durch die Eltern, auf die das Kind mit Entspannung reagieren wird. Die Erzieherin reagiert auf Kontaktversuche (Blickkontakt, Anlächeln, Spielzeug entgegennehmen oder anbieten, etc.). Ein günstiger Weg für die Erzieherin, mit dem Kind in Kontakt zu treten, sind kleine Spielangebote. Sie kann durch Beobachtung des Kindes herausfinden, woran es aktuell interessiert ist und entweder vorsichtig versuchen, sich an einem Spiel des Kindes zu beteiligen.

Der zweite Tag:

In der Regel beginnt dieser Tag wieder mit einer Spielsituation. Die Erzieherin setzt dabei ihre behutsamen Annäherungen an das Kind fort und ist weiterhin dadurch bedacht, Kontaktversuche des Kindes wahrzunehmen und zu beantworten. An allen Pflegesituationen sollte sich die Erzieherin beteiligen, indem sie im Blickfeld des Kindes zuschaut und eventuell mit Elternteil und Kind spricht. Die Erzieherin demonstriert ihre Rolle, indem sie die jeweiligen Situation vorbereitet, die Eltern bei der Durchführung unterstützt und z. B. beim Füttern das Essen, das Lätzchen und den Löffel, beim Wickeln die benötigten Pflegeutensilien bereitlegt. Die Erzieherin wickelt und füttert das Kind noch nicht selber. Begründung: Die Erzieherin kann die Situationen nutzen, um etwas über die individuellen Rituale zwischen Bezugsperson und Kind zu erfahren, um sich später, wenn sie selbst das Kind zum ersten Mal wickelt, daran orientieren zu können. Dadurch, dass sie sich im Blickfeld des Kindes hält, lernt das Kind, die Erzieherin mit diesen Aktivitäten in Verbindung zu bringen.

Der dritte Tag:

Der Ablauf des dritten Eingewöhnungstages ist weitgehend identisch mit dem des zweiten Tages. Durch die Wiederholung in Inhalt und Abfolge der Situationen soll eine gewisse Stabilität für das Kind erreicht werden. Nach der Begrüßung von Eltern und Kind setzt die Erzieherin in der Spielsituation die begonnene Kontaktaufnahme fort. An der Pflegesituation nimmt die Erzieherin auch heute beobachtend und unterstützend teil. Wie an den Vortagen auch beobachtet die Erzieherin sorgfältig, in welcher Weise sich das Kind auf den begleitenden Elternteil als einer sicheren Basis bezieht, um eine begründete, wenn auch vorläufige Entscheidung über die Dauer der Eingewöhnungszeit treffen zu können.

Der vierte Tag:

Am vierten Tag fällt eine vorläufige Entscheidung über eine kürzere oder längere von den Eltern begleitete Eingewöhnungszeit. Gleich nach der Ankunft des Kindes wartet seine Mutter oder sein Vater ab, bis sich das Kind von ihr bzw. ihm abgewendet hat und der neuen Situation zugewandt hat, z.B. irgendeinem Spielzeug, einem anderen Kind oder der Erzieherin. Sie oder er geht dann zum Kind, verabschiedet sich kurz und verlässt den Raum, auch wenn das Kind protestiert, bleibt jedoch in der Nähe des Kindes denkbar.

2. Die Stabilisierungsphase

Ab dem 4 Tag versucht die Erzieherin von der Mutter die Versorgung des Kindes zu übernehmen:

– Füttern
– Wickeln
– sich als Spielpartner anbieten

Die Mutter überlässt es jetzt immer öfter der Erzieherin auf Signale des Kindes zu reagieren und hilft nur noch, wenn das Kind die Erzieherin noch nicht akzeptiert. Nur wenn das Kind sich beim Trennungsversuch am 4. Tag von der Erzieherin trösten ließ bzw. gelassen auf die Trennung reagiert, sollte die Trennungszeit am 5. Tag ausgedehnt werden. Am 5. und am 6. Tag ist die Anwesenheit der Mutter in der Krippe notwendig, damit sie bei Bedarf in den Gruppenraum geholt werden kann. Wenn sich das Kind am 4. Tag nicht trösten ließ, sollte die Mutter am 5. und am 6. Tag mit ihrem Kind wie vorher am Gruppengeschehen teilnehmen und je nach Verfassung des Kindes am 7. Tag einen erneuten Trennungsversuch machen.

3. Die Schlussphase

Die Mutter hält sich nicht mehr in der Krippe auf, ist jedoch JEDERZEIT erreichbar, falls die Tragfähigkeit der neuen Beziehung zur Erzieherin noch nicht ausreicht, um das Kind in besonderen Fällen aufzufangen. Die EINGEWÖHNUNG ist beendet, wenn das Kind die Erzieherin als „SICHERE BASIS“ akzeptiert hat und sich von ihr trösten lässt. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn das Kind gegen den Weggang der Mutter protestiert (Bindungsverhalten zeigt), sich aber schnell von der Erzieherin trösten lässt und in guter Stimmung spielt.